Die Idee

 

Projektbeschrieb Der LernOrt

 

Glückliche, freie, mit ihrem inneren Feuer und ihrer Lebensfreude erfüllte Kinder nehmen natürlich Verantwortung wahr. Sie äussern, was sie brauchen und zeigen gern, was sie wirklich interessiert.

 

 

Ausgangslage

 

Das Bedürfnis, sich selbst zu sein, frei bestimmend in Zeit und Gestaltungsweg die eigenen Potentiale entfalten zu können, authentisch mit sich und seinem Umfeld im Einklang zu leben, schlummert in jedem von uns. Dass der Mensch dieses Bedürfnis im heutigen Bildungssystem kaum mehr leben darf und kann, ist mitunter Grund dafür, dass immer mehr Orte und Möglichkeiten entstehen, wo bedürfnisgerechtes und natürliches Lernen wieder geschehen darf.

 

Unsere Welt mit ihrer hohen Veränderungsdynamik, den unzähligen Möglichkeiten, dem technischen Fortschritt, der steigenden Informationsflut, dem stets zur Verfügung stehenden Wissen (schnell und ortsunabhängig) bietet uns viele Lernfelder. Es braucht mehr denn je Menschen mit Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Entscheidungsfreude, aktivem Mitdenken, Kreativität, echtem Interesse, selbstbewusstes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den Lernprozess, den eigenen Talenten zu folgen, psychische Stabilität, Beharrlichkeit und Einsatzbereitschaft sowie Zielstrebigkeit.

 

"Sage es mir, und ich werde es vergessen.

Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.

Lass es mich tun, und ich werde es können."

(Konfuzius)

 

Ein LernOrt ist ein Ort des natürlichen Lernens, an dem die Menschen ihre Talente entdecken und ihre Potentiale entfalten können. Er folgt den neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaft und leistet einen Beitrag an die natürlich vorhandene Diversität in unserer Gesellschaft. Diese Vielfalt der Menschen soll sich auch in einem bestenfalls gleichwürdigen, breiten Angebot Bildungssystem ganz natürlich zeigen.

 

In der frühen Kindheit wird das Kind in seiner ganz eigenen Entwicklung noch akzeptiert. Dies zeigt sich in der Tatsache, dass sich Entwicklungsschritte wie Drehen, Robben, Krabbeln, Laufen oder Sprechen bei jedem Kind zu unterschiedlichen Zeiten ereignen. Erst mit dem Beginn der Schulzeit sind Kinder plötzlich dazu angehalten, zur gleichen Zeit das Gleiche zu lernen. Sie müssen noch an vielen Orten zu häufig still sein, dem natürlichen Bedürfnis nach Bewegung und spontanen Ausdruck wird viel Raum in einer wichtigen Entwicklungsphase abgesprochen. Aus Sicht der natürlichen Entwicklung kommt dies einem STOP, einer Unterbrechung des Flows gleich.

 

Damit weisen wir auf die Kunst des Lernens als ein individueller Erfahrungsprozess hin. Diese Bildungsform wird bereits seit vielen Jahren von Privatschulen erfolgreich praktiziert (z.B. Villa Monte in Galgenen, Freie Demokratische Tagesschule nach dem Sudbury-Modell in Bottmingen, Arco in Säriswil, Monterana in Degersheim, Grundacherschule in Sarnen).

 

 

Lernprozess am LernOrt

 

Kinder lernen aus eigenem Antrieb und aus der Sinnhaftigkeit heraus. Der Lernprozess der Kinder wird durch folgende Gegebenheiten unterstützt:

  • Die altersdurchmischte Lerngruppe entspricht einer natürlichen Gegebenheit, voneinander lernen zu wollen. Dies fördert auch das soziale Miteinander.
  • Lernen geschieht überall, ein grosser Teil des Lernens kann auch ausserhalb des Schulzimmers stattfinden.
  • Die Zimmer sind z.B. thematisch geordnet und ein Kind wählt im eigenen Impuls folgend, wohin es sich bewegt, wie lange es bleiben will.
  • So gibt es zum Beispiel ein Flüsterzimmer mit verschiedenen Nischen, ein Theaterzimmer, ein Spielzimmer, ein Bewegungszimmer, ein Buchstabenzimmer, ein Lesezimmer, ein Bastelzimmer, ein Werkraum, ein Zahlenzimmer, etc. Diese Räume werden gemeinsam mit den Lernenden eingerichtet und gestaltet. Eine Turnhalle kann gemäss Verfügbarkeit benutzt werden.
  • In einer ‘Bildothek’, finden und entdecken die Kinder Materialien, Bücher, Unterlagen und Spielmöglichkeiten.
  • Für die selbständige Benutzung gewisser Räume und Geräte, wie beispielsweise der Computer oder der Werkraum, erlangt das Kind einen Führerschein. So kann sichergestellt werden, dass diese kompetent und sicher benutzt werden.
  • Das Lernen entsteht im Austausch mit anderen Kindern, der Lernbegleitung und weiteren Menschen. Eltern können von den Kindern oder der Lernbegleitung angefragt werden, Ihr Wissen mit den Kindern zu teilen. Dazu wird ein Ressourcenpool erstellt, um informiert zu sein über die Berufe, Begabungen und Fähigkeiten der Eltern. Fachpersonen gewähren (Schreiner, Gärtner, Informatiker und andere) den Lernenden auf Anfrage Einblick in ihren Alltag und lassen sie im Austausch an ihrem Erfahrungswissen teilhaben. Offene Begegnungen sind möglich und die Fragen der Kinder werden beantwortet. 
  • Eine Co-Präsenz begleitet den LernOrt. Dies ist eine ausgewiesene Lernbegleitung (Pädagogische Ausbildung) zusammen mit Helfern, mit IF-Personen, Zivis, Eltern, Pensionierten, etc.
  • Beziehung kommt vor Erziehung. Die als hilfreich erprobte Elternzusammenarbeit erhält eine übergeordnete Bedeutung, beschränkt sich nicht länger auf einen Elternabend, vielmehr steht ein regelmässiger Austausch im Fokus.
  • Der Lehrplan 21 dient als Referenz- und Orientierungsrahmen. Er zeigt erwünschte Kompetenzen auf, welche den Weg ins Erwerbsleben ebnen. Gemeinsam mit dem Kind wird erkannt, was, wie erlangt wurde. Der Begriff ‘verpflichtend’ entfällt.

 

Haltung der Lernbegleitung

 

Ein LernOrt wird von Pädagogen und erziehungsaffinen Menschen begleitet. Zentrale Aspekte der Haltung einer Lern-begleitung sind:

  • Jeder Mensch wird als Individuum respektiert
  • Lernen geschieht in Kontexten und im Kontinuum, jederzeit und überall
  • Raum und somit auch Rahmen entstehen konsequent mit den Kindern (basisdemokratischer Umgang)
  • Minimale Vorbereitungszeit, maximale Präsenz
  • Vertrauen und Beziehungsarbeit sind Basis
  • Lernende werden in ihren Bedürfnissen ernst genommen
  • Das Hirn entwickelt sich so, wie es benutzt wird
  • Faszination Erfahrungslernen (selbstbestimmt, authentisch, kreativ, mutig, …)
  • Transparenter, authentischer, achtsamer und liebevoller Umgang
  • Warten und aushalten können, den Lernenden mit offenen Fragen begegnen - Kunst des Staunens
  • Geduldiges Zutrauen stärkt die Verantwortung
  • Uneingeschränktes Interesse und Offenheit
  • Reflexionsbereitschaft, zeitnah, kontinuierlich
  • Bescheidenheit, zurückhaltend mit Impulsen
  • Ressourcenorientierte Lernprozessbegleitung
  • Lebensnahes Lernen, anregendes Umfeld (Angebote wie z.B. Themenzimmer)
  • Fehlerkultur, als fehlerfreudiges Lernen
  • Die Kinder sollen Selbstwirksamkeit erfahren können
  • Verbindende und gewaltfreie Kommunikation
  • Regelmässiger Kontakt zu den Eltern

Dahinter steckt die Haltung einer Lernbegleitung, wie sie Rebeca Wild treffend formuliert:

«Die harmonische Entfaltung von Kindern ist ein natürlicher und darum langsamer Prozess. Unsere Aufgabe ist es, die rechten Bedingungen dafür zu schaffen, aber nicht, den Prozess zu beschleunigen. Bringen wir es als Erwachsene fertig, diese inneren Prozesse nicht durch unsere Ungeduld zu stören, sondern ihnen den nötigen Nährstoff zu liefern, so lernt das Kind, auf eigenen Füssen zu stehen und nicht sein Leben lang von äusserer Führung abhängig zu sein.»

 

 

Umsetzung

 

Der LernOrt versteht sich als Bildungsangebot für alle jungen Menschen. Dieses Konzept kann als Schulversuch in der Volksschule umgesetzt werden. Der LernOrt ist somit allen Teilen der Gesellschaft zugänglich und unterscheidet sich damit vom Angebot einer Privatschule.

Er löst sich vom Denken in Fächern und Lektionen (vgl. Bildung in Skandinavien), verzichtet auf Schulferien, Noten, Prüfungen und Stundenpläne. Der LernOrt ist von Montag bis Freitag von 8:00 - 18:00 Uhr geöffnet. Das Projekt wird von einer pädagogischen Hochschule begleitet.